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Segelbundesliga

Es gab da also diese Idee. Relegation Deutsche Segelbundesliga. Die ersten 23 währen qualifiziert. Das kann ja nicht so schwer sein. Und dann noch auf einem Kielboot, J-70 oder J-80. Da sitzt man doch eh nur auf der Kante. Und das auch noch zu viert!

Mir als Ex-Lasersegler war zwar schleierhaft, was die restlichen 3 Leute auf dem Boot sollten, aber die Piratenopis und 420-Heinis nahmen sich ja auch immer jemanden zum Händchen halten mit aufs Boot. Warum also nicht mal zu viert?

Eine vorbereitende Internetrecherche machte mich auch nicht schlauer. In den Videos sprangen zwar alle wild in dem Boot umher, aber mal abgesehen von den Manövern, saßen die Herren ja nur mit übers Deck baumelnden Beinen auf dem Kahn. Pah! Vorurteil bestätigt. Dann kann das doch nur, was werden.

Als Nächstes musste eine Crew her. Antworten wie "Ja, also zur 1. Regatta kann ich nicht. Aber wenn ihr dann qualifiziert seit würde ich ja mal mitsegeln." oder "Ne, die sind in Ägypten." Schränkten den Kader auf eine Handvoll hoch motivierter Kandidaten ein. 2 Salewskis und 2 mal Vater. Die Position des Steuermanns übernahm unser auf Kielbooten erfahrenster (abtrünniger) Segler Ulli. Crewkoordinator wurde Daniel. Marcel und ich übernahmen die Positionen, welche im Video nach - keiner Position - oder auch, der des - beweglichem Ballastes - aussahen. So viel also zu der Vorgeschichte.

Das Wetter? In Cottbus gab es 20° und Sonnenschein. Wir hatten es eher feuchtfröhlich mit 4 bis 5 Windstärken und in Böen auch mal etwas mehr. Doch nun standen wir am Steg. Fertig für unsere Probefahrt. Wir hatten zwei Mal eine Stunde Trainingszeit. Einmal auf der J-70 und einmal auf der J-80. Ich hatte bis dato noch nicht einmal einen Spinnaker gefahren. Da war es schon ganz nett zu wissen, dass wir eine Schadensbeteiligung von maximal 500€ haben. Aber gut. Am Steuer saß ich nicht und Daniel würde mir schon sagen, was ich machen müsste. Der hatte ja bereits exzessiv Erfahrung auf seiner BMW-Sailing Kampagne gesammelt.

Auf dem Wasser, auf dem Boot. So leicht war es dann leider doch nicht. Mal abgesehen vom Steuermann, gibt es für den Rest der Crew ziemlich viele Möglichkeiten der Aufgabenverteilung. "Zieh ich jetzt an der Strippe?","Jetzt?", "Ey, mach mal den Knoten da raus!", "Du stehst auf der Schot!", .... Sätze wie diese, waren jetzt noch ganz entspannt als Hinweis gemeint. Wir hatten noch an uns zu arbeiten. Aber dafür, dass das unsere erste Fahrt als Team war, waren wir auch ganz zufrieden mit unserem Ergebnis des Probetages:

  1. Wir hatten keinen Schaden verursacht und das bei gutem Wind.
  2.  Die Aufgaben waren verteilt und wir wussten schon mal, was alles nicht klappte und waren optimistisch, dass bis zum nächsten Tag abstellen zu können.
  3. Allerdings war für Freitag noch mehr Wind angekündigt. Der Start sollte 14.00 Uhr sein. Wir konnten also wenn schon nicht ruhig, dann doch wenigsten ausschlafen.

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Freitag

Ein windiger Tag, ganz nach dem Wetterbericht. Als wir gegen 12.00 Uhr am Hafen ankamen, konnten wir uns gleich in die Reihe der Schaulustigen einordnen welche die beiden abgebrochenen Masten begutachteten und mit hilfreichen Tipps und interessierten Fragen das Repair-Team von seiner Arbeit abhielten. Ob das mit dem Start um 14.00 Uhr noch etwas werden würde? Auf der Steuermannsbesprechung kam die klare Antwort: Das Repair-Team hatte gute Arbeit geleistet und die Boote waren wieder ganz. Der Wind lieferte aber noch bessere Arbeit ab. Der Start wurde auf 15.30 Uhr verschoben. Dann 16.0 Uhr… und dann auf 16.30 Uhr... und dann auf 17.00 Uhr... aber endlich mit "Booten klar zum Auslaufen" und Genaker Verbot ging es los.

Und ohne Genaker konnte man auf dem Boot ja fast nichts verkehrt machen. Naja, aber eben nur fast. So eine J-80 wiegt eben doch 1,6 Tonnen und fährt eben nicht so spritzig an wie eine Jolle. Das kann dann am Start schon etwas stören. Die J-70 hingegen lief Ulli viel besser von der Hand. Fazit nach 2 Wettfahrten:

  1. Für viel Wind ist unser Crewgewicht etwas gering.
  2. Der Start ist enorm wichtig bei nur 6 Booten und auf einem 15 Minuten Kurs gibt es kaum Chancen einen Fehler wieder auszubügeln.
  3. Aber morgen sollten ja nur 2 bis 3 Windstärken kommen. Also Traumbedingungen für uns, oder?

Samstag

Der Samstag hielt, was er versprochen hatte, - Wenig Wind -. Dafür durfte aber der Genaker gezogen werden. Also hatte auch endlich die zweite Hälfte der Crew etwas zu tun. Und bei so wenig Wind müsste das ja mit den Manövern klappen, oder??? Tja, oder ... "Du stehst auf der Schot!", "Warum klemmt das?", " Schneller!", "Spi im Wasser!", " Langsamer!" ... Bereits bekannte Sätze. Nur diesmal wesentlich emotionaler hervorgebracht. Schuldzuweisungen, Vater-Sohn-Probleme und großer Bruder - kleiner Bruder ... Ach ist Segeln nicht ein herrlicher Sport? Zum Glück gelang es uns die Probleme abzustellen. Am Ende des zweiten Tages hatten wir uns sogar soweit vorgearbeitet, dass wir eine realistische Chance auf die Quali hatten. Und damit war Abends statt großer Feierei nach zwei Bier Schluss und wir lagen um Punkt 24.00 Uhr im Bett.

Bevor wir zum letzten Teil des Berichtes kommen, wird es so langsam mal Zeit die hervorragende Organisation und Wettfahrtleitung zu loben. 60 teilnehmende Vereine führen auf 2 Bootsklassen ihre Rennen aus. Das bedeutete das 8  J-80 und 6 J-70 alle 20 Minuten startbereit sein mussten. Das bedeutete, dass die Crews von Motorbooten zu ihren zugewiesenen Booten gebracht wurden, die Mannschaften tauschten und man 2 Minuten Zeit hatte das Boot auf Schäden zu untersuchen. Dann ging es schon los zum nächsten Start. Anfangs hätte wohl niemand ernsthaft damit gerechnet, dass wirklich alle 90 Wettfahrten stattfinden würden. Daher ein riesen Lob an die Freiwilligen, welche sich auf den Shuttles den Arsch abfroren oder den ganzen Tag die Teams ausriefen. Aber die konnten sich dafür Abends wenigstens gut gehen lassen.

Wir hingegen mussten jetzt noch einmal alles geben. Denn wenn wir am Sonntag alle 3 Wettfahrten im ersten Drittel fahren würden ... dann müsste das doch klappen? Jeder rechnete, schielte auf die Listen und auf die Teams, welche einem noch gefährlich werden konnten oder holte sich Tipps von den Guten.

Sonntag

Hochmotiviert ging es also an die letzten 3 Wettfahrten.

Der erste Start lief miserabel. Wir starteten in Lee. Konnten nicht Wenden und kamen als Vorletzter an die Tonne. Dann klappte das Tonnenmanöver nicht, das Bergen an der Tonne 2 war auch eher suboptimal und zur Krönung verloren wir dann noch auf dem zweiten Raumwind unseren Genaker. Tja, Schekel sollte man eben abkleben. Wieder was gelernt.

Unsere Chancen waren so eben auf fast Null gesunken. Die Stimmung war im Keller. Wieder Rechnerei und Beratung über die Manöverabläufe. Angespannte Stimmung.

Das zweite Rennen lief dann genauso schlecht. Irgendwie war einfach der Wurm drin. Naja, wenigstens konnten wir jetzt ganz entspannt an das letzte Rennen gehen. Eben noch ein Teamfoto gemacht, einen kurzen Plausch mit unserem freundlichen Fotografen ... Er war vom BYC. Die hatten am Bodensee jetzt die J-70 als Einheitsklasse und 4 Wochenenden am Gardasee trainiert. 2 Crews standen bereit und ihr Ziel war es unter die Top 23 zu kommen ... und ja, es lief bei denen besser als erwartet. Wir wünschten ihnen viel Glück.

Hätten wir das mal lieber nicht getan. Im letzten Rennen lief es jetzt endlich mal wie geplant. Guter Start. Um die Tonne als Zweiter. Manöver klappten auch wenn wir nur sehr knapp noch vor dem Dritten eingereiht hatten. Tonne 2 funktionierte auch. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Als Crew schaut man ja meistens nur auf die Strippen. Man wundert sich nur, warum manche Manöver schon so früh ausgeführt werden. Achso, da ist ja noch ein Boot, wieder wenden. Die gehen mit? Also wieder wenden? Oh, da ist jetzt aber ganz schön Fahrt raus. Und auf einmal sind die anderen wieder ganz schön nah dran... und diesmal kamen wir nicht mehr zwischen Tonne 1 und Boot 3. Wir bekamen einen Protest. Vom BYC (unser Fotograf für alle, die aufgepasst haben)... Nachdem wir den Genaker gezogen hatten… und der Kringelversuch mit Genaker in der Hektik war auch kein so schlauer Zug ... also Genaker bergen ... da waren aber bereits alle an uns vorbei gezogen ... Wir machten uns nicht mehr die Mühe, ihn noch einmal zu ziehen. Wozu? Die Frustration lies jeder auf seine Weise ab. Ob nun wilde Beschimpfungen in Richtung Jury oder einfaches Schweigen und in sich hinein fressen.

Die Regatta war vor vorbei. Ein ruhmreicher Abschluss war uns nicht vergönnt. Wir packten unsere Sachen, holten die Kaution, noch schnell geduscht und weg waren wir.

Rückblickend muss man sagen, hätte man besser vorbereitet sein sollen. Aber das ist ja immer so. Nur war dies wohl eine einmalige Chance. Mit vergleichbar geringem Aufwand würde wir so schnell nicht wieder in die 1. oder 2. Liga gelangen, ganz zu schweigen von der Chance sich dort auf Jahre zu halten. Bei der nächsten Relegation dürfte das bedeutend schwieriger werden. Die Zahl der Teams wird sich kaum verringern. Die der Relegationsplätze hingegen von 23 auf 5.

 

Aber die Erfahrung war es wert! Es war ein sehr lehrreiches Wochenende und Spaß gemacht hat es auch. Und jetzt wissen wir was uns Nächstes Mal erwartet und werden uns besser darauf vorbereiten können.

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